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  • Informationskompetenz:Multiplikatorenkonzepte
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    1. Die Verbreitung von Informationskompetenz kann mittels eines Multiplikatiorenkonzeptes angegangen werden: Es werden Experten zentral zur Vermittlung von Informationskompetenz freigestellt und hierfür speziell ausgebildet. Diese wiederum schulen unterschiedliche Gruppen, die dann selber zu Vermittlern von Informationskompetenz werden. Dies können z.B. Hochschullehrer oder Bibliotheksmitarbeiter sein, die Studierenden entsprechende Angebote unterbreiten[1]. Die dahinterstehende Idee ist ein Schneeballeffekt (auch als Pyramiden- und Kaskadenmodell bezeichet). Jeder, der mit der Vermittlung von Informationskomeptenz beauftragt wird, gibt dies mehrmals (multipliziert) an andere Personen weiter. Werden bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt, kann Informationskompetenz so flächendeckend vermittelt werden. Die Vermittlung kann dabei durch digitale Medien unterstützt werden. Beispiel hierfür sind Online-Lernmodule, die Wissen und Strategien über die Informationsgewinnung, -selektierung usw. vermitteln. Gerade angelsächsiche Hochschulen haben Informationskompetenz mit Multiplikatorenkonzepten auf breiter Basis erfolgreich vermittelt[2].

      Die Kooperation der Hochschulbibliotheken in Nord-Rhein-Westfalen (NRW) bei der Vermittlung von Informationskompetenz zeigt, wie das Multiplikatorenkonzept in der Praxis aussehen kann: "Jede Universitäts- und Fachhochschulbibliothek in NRW hat einen Ansprechpartner für die AG Informationskompetenz benannt (sog. Multiplikatoren). Für die Multiplikatoren werden spezielle Fortbildungenangeboten [bereitgestellt]. Die Multiplikatoren kommen jedes Jahr zu einem Workshop zusammen. Die Multiplikatoren kommunizieren untereinander und mit der AG über eine E-Mail-Liste. Als Multiplikatoren sorgen sie dafür, dass die in der AG, den Workshops und in Fortbildungen gewonnenen Anregungen, Materialien und Kompetenzen in die Schulungsangebote ihrer Bibliothek einfließen"[3]

      Auch in Niedersachsen lassen sich Mutiplikatorenkonzepte identifizieren. Hierfür seien die folgenden drei Beispiele vorgestellt:

      • Die Ziele von Bib@InfoLit [4]: Ziel des Kooperationsprojekts ist eine gemeinsame Erstellung webbasierter Module zur Vermittlung von Informationskompetenz. Diese Lernmodule sollen als Multiplikatoren für die Vermittlung von Informationskompetenz dienen. Beteiligte Hochschulen: UB Lüneburg, UB Hildesheim und UB Osnabrück
      • Schu:Bi[5]: Das Projekt "Schu:Bi - Schule und Bibliothek" fördert Lese- und Informationskompetenz bei Schülerinnen und Schülern der allgemein- und berufsbildenden Schulen Oldenburgs und der Region. Durch die kontinuierliche Arbeit in und mit Bibliotheken während der gesamten Schulzeit sollen ein dauerhaftes Leseinteresse sowie die Fähigkeit und die Motivation der Schülerinnen und Schüler zur selbständigen Wissensaneignung systematisch unterstützt werden. Hierbei werden auch Multiplikatoren - im Fokus stehen Lehrerinnen und Lehrer - ausgebildet.
      • Die TIB/UB an der Leibniz Universität Hannover (LUH) hat im Jahr 2007 ein umfangreiches Konzept zur Vermittlung von Informationskompetenz erarbeitet, das seitdem umgesetzt wird. Informationskompetenz kann an der TIB/UB durch ein vielfältiges Schulungsangebot, das durch Online-Materialien[6] ergänzt wird, erworben werden. Die Schulungen sind auf verschiedene Zielgruppen (z.B. Erstsemester, Tutoren, Promovierende) zugeschnitten und werden häufig mit aktivierenden Methoden durchgeführt. In vielen Bereichen bestehen Kooperationen mit Fakultäten und Serviceeinrichtungen der LUH, eine breite - d.h. alle Studiengänge umfassende - Einbindung dieses Angebotes in die Studienordnung sowie die Zertifikate des ZfSK stehen noch aus.


      Die Beispiele zeigen, dass das Multiplikatorenkonzept sehr unterschiedlich umgesetzt werden kann. Besonders die Zielgruppe (Lehrende, Studierende, Schüler, ...) sowie die vorgefundene organisatorischen Bedingungen (Wer vermittelt die Informationskompetenz: Bibliotheken, Fakultäten, Schulen, ...?) bestimmen die Gestaltung des Multiplikatorenkonzeptes. Die grobe Sichtung der Multiplikatorenkonzepte wirft jedoch Fragen auf:

      • Wie umfangreich ist das Angbot? Wieviele Bürger werden durch die vereinzelnten Multiplikatorenkonzepte wirklich erreicht? Es scheint hier, dass wenige regionale Angebote nur einen kleinen Teil der Adressaten bedient.
      • Quasi alle gesichteten Angebote gingen von den Bibliotheken aus. Eine systematische Einbindung dieser Angebote in die Prüfungsordnungen der Studiengänge konnte nicht gesichtet werden. Dies ist aus Hochschul-didaktischer Sicht jedoch zwingend erforderlich, da anzunehmen ist, dass das freiwillige Angebot der Bibliotheken von den Studierenden nur sporalisch aufgegriffen wird.

      Zusammenfassung: Angelsächsische Hochschule zeigen, dass die Vermittlung von Informationskompetenz mittels des Multiplikatorenkonzeptes erfolgreich praktiziert werden kann. Ansätze lassen sich auch für Niedersachsen identifzieren. Es fehlt jedoch gänzlich der Überblick, wieviele Bürger hierüber bedient werden. Es ist anzunehmen, dass die Vermittlung von Informationskompetenz nur punktuell angegangen wird und damit das Potential von Multiplikatorenkonzepten kaum entfaltet wird.

      Quellen:

    2. Juraschko, B. (2010) Organisation von IK-Großveranstaltungen als besondere Managementherausforderung. Bibliotheksdienst 44. Jg. (2010), H. 5: 399-410
    3. Eine gute Übersicht angelsächsischer Aktivitäten zur Vermittlung von Informationskompetenz findet sich unter "Information Literacy: Standards and statements": http://dis.shef.ac.uk/literacy/standards.htm#UK
    4. Vogt, R. (19.11.2004) Kooperation der Hochschulbibliotheken in NRW bei der Vermittlung von Informationskompetenz. AG Informationskompetenz NRW: http://www.vdb-online.org/veranstaltung/240/vortrag-vogt.pdf (Folie 5)
    5. Theis, N., Ahlers, T., Brahms, E., Brauer, T., Krumscheid, J., Ranchel-Calero, C. (2010) Das Online-Tutorial Bib@InfoLit - ein Kooperationsprojekt der Universitätsbibliotheken Lüneburg und Hildesheim. In: Bibliotheksdienst: Organ der Bibliothek & Information Deutschland (BID) - Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheks- und Informationsverbände / hrsg. von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. - Berlin : ZLB, ISSN 0006-1972, Bd. 44.2010, 6, S. 628-636. http://www.zlb.de/aktivitaeten/bd_neu/heftinhalte2010/Informationsvermittlung_010610_BD.pdf
    6. Schu:Bi - Schule und Bibliothek: http://www.oldenburger-bibliotheken.de/

Lernraum TIB/UB > Lernmaterialien: http://www.tib.uni-hannover.de/de/tibub/lernraum-tibub/lernmaterialien.html

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